Aprikosen aus Kern ziehen – lohnt es sich?

- zuletzt geändert am 4.Dezember 2017
Aprikose in der Blüte (Foto: Anja)

Aprikose in der Blüte (Foto: Anja)

Die Idee, Obst wie Pfirsich oder Aprikose selbst aus Kernen zu ziehen, liegt auf der Hand und macht auch Spaß. Weniger lustig ist es, wenn Jahre später das Ergebnis eher bescheiden ausfällt, die Walnuss etwa kleine, ziemlich bittere Nüsse mit harter Schale hervorbringt, der Pfirsich kleinere Früchte hat, die spät im September reifen (wenn das Wetter es noch zulässt) oder die Anfälligkeit für Krankheiten hoch ist.

Somit kommt die Frage aufkommt: Aprikosen aus Kern ziehen – lohnt es sich oder muss ich veredeln?

Aprikosen (Prunus armeniaca) haben es mir angetan und so habe ich schon eine ganze Anzahl aus Kernen gezogen, darunter Wildaprikosen und Zuckeraprikosen. Bisher blühten sie aber noch nicht, sind aber auch erst 1-3 Jahre alt. Im Vordergrund stehen derzeit Beobachtungen für mögliche Selektion nach Standorteignung, Faktoren sind dabei Winterkälte, Märzsonne, Spätfrost, anhaltender Regen, Hitze, Trockenheit, Erholung nach Wurzelschaden, Anfälligkeit für Krankheit.

Nachdem der Aprilfrost nun gleich 5 unserer Edelsorten hinweg gerafft hatte und ich leider noch keine Ersatzstecklinge gemacht hatte – betroffene Aprikosen waren veredelt und damit trieben nur die Unterlagen wieder aus – lernte ich drei Dinge.
Erstens ist eine 5 Jahre alte Bergeron-Aprikose bis in die Triebspitzen härter als Hargrand und Harlayne mit 2 Jahren, die unter die erwähnten 5 Gefallenen fallen. Vorsicht, Wortwitz.
Zweitens sind Veredlungen nicht immer optimal, denn bei heftigem Frostschaden (vor allem bei Jungbäumen) treibt nur der wurzelechte Baum neu aus, sollte der Schaden auch den Stamm komplett betreffen. Das war bei den 5 der traurige Fall. Weißanstrich hilft, ich weiß. Vorsicht, hier will sich ein Dauerwitz niederlassen.
Drittens: Im Hinblick auf die Klimaveränderungen sind wilde Aprikosensorten wohl ein Erforschen wert. Wenn die Erträge nicht wie erhofft sind, fallen dann immerhin noch Unterlagen für Veredlungen ab. Denn die meist genutzten Unterlagen Saint Julien (Haferpflaume, Kriechenpflaume) und Myrobalane (Wildpflaume, Wilde Mirabelle), sollen weniger ideal für Aprikosen sein, da diese in der Erntephase dann leicht unter Stress geraten. So schreibt es Herr Christoph Kruchem aus Waake. In der ehemaligen DDR, vor der Personaleingliederung in die BRD – Unkundige nennen aus auch „Wiedervereinigung – gepflanzte Aprikosenbäume tragen so  immer noch Jahr für Jahr. Von einem Standort hier in der Nähe kann ich zumindest das bestätigen. Die Unterlage damals war wohl Hinduka, eine Wildaprikose. Insofern ist jedenfalls klar, warum es heute wieder zahlreiche Versuche zur Eignung von Wildaprikosen als Unterlage gibt. Ja, hätten wir mal wegen Russophobie nicht alles aus dem Osten gleich abgetan, nicht wahr?

Es gibt neben der Hunza-Aprikose ja wohl über 20 weitere wilde Arten an Aprikosen im Hunza-Tal allein. Ich hätte sie gern alle hier.

Wildaprikose (Hunza) im Alter von drei Jahren, dahinter eine Ölweide (Foto: Christian)

Wildaprikose (Hunza) im Alter von drei Jahren, dahinter eine Ölweide (Foto: Christian)

Die Anzucht mache ich bisher meist im Kastenbeet, da die Verkrautung durch sehr schnell wachsende Wildpflanzen so leicht kontrollierbar ist und der Boden auch bei Regen nicht zu nass wird. Dafür ist es im Kastenbeet wärmer als Beete in Bodennähe, also ist die Keimzeit kürzer und der Keimzeitpunkt im Frühjahr früher. Nachteilig kann vielleicht sein, dass es so keine 100%ige Anpassung für die Bedingungen vor Ort ergibt. Denn dafür müsste der Kern eigentlich im normalen Boden, mitten in der Wildwiese liegen. Bei einem Versuch mit Pfirsich ergab das ja schon ein wahres Wachstums- und Gesundheitsmonster, allerdings mit kleinen, nicht sehr leckeren und auch noch spät reifenden Früchten. Bei hundert Sämlingen wäre wohl aber auch was besseres dabei.

Die Keimdauer der Kerne (mit Schale) lag bisher bei ca. 4-8 Wochen. Was bis dahin nicht gekommen war, kam auch bis zum Folgejahr nicht mehr. Das kann aber auch am lehmigen Boden liegen, den ich auch in unseren Kastenbeeten ordentlich unter mische. Denn Herbst bis Frühling kann der Boden sehr feucht sein, was die Samen von Aprikosen über Monate wohl nicht sehr mögen. Oder es waren mal wieder die Wühlmäuse, die ja bekanntlich ihre eigenen Gestaltungsideen haben und mich mal wieder überraschen wollen (unsere recht provisorischen  Kastenbeete schirme ich nicht ab, mache ich erst bei den finalen Versionen). Eines Tages stehe ich dann vielleicht an einer Hecke und wundere mich über die anders aussehenden Myrobalanen, die ja besonders anfangs eine große Ähnlichkeit mit Wildaprikosen haben: ähnliche Blattform und -größe, ähnlicher, besenartiger und starker Wuchs, wobei die Myrobalane insgesamt doch aber vorn liegt – okay, die ist hier vor Ort traditionell und daher bestens angepasst – Heimvorteil.
Im Herbst oder Folgefrühjahr pflanze ich dann die Aprikosenbäumchen aus. Bisher stehen einige im Aprikosenhain für spätere Ernten und andere in der Baumschule, für Versuche und/oder Streuobstwiese und zum Vermehren.

In einem Gespräch mit einem Bauern erfuhr ich neulich, dass viele der ansässigen Anbieter von Obstweinen etc. eine eigene, kleine Baumschule (oft verteilt auf mehrere Standorte) haben und dort Sämlinge ziehen. Dann wird nach Jahren aussortiert und die besten (für diesen Standort) direkt für den Bedarf vor Ort weiter vermehrt. Klingt vernünftig.
Das ist etwa auch meine Strategie, da Sämlinge die beste Anpassung erreichen und die entstehenden Variationen durchaus positiv überraschen können. Der Kern nimmt in der Erde Informationen aus der Umgebung auf und somit ist die entstehende Pflanze bestens vorbereitet. Wie schon geschrieben, wären besonders die gesündesten dann zumindest als Unterlage geeignet. Allerdings bin ich selbst noch nicht soweit, das aus der Praxis heraus beurteilen zu können.

Ich gehe übrigens davon aus, dass nur die Samen, die in ihrer Schale aufgehen, es auch verdienen, zu Pflanzen zu werden. Gute deutsche Stahlaprikosen, lach. Heil Kern! Okay, das reicht. Bevor hier wieder ein Systemtreuling mit dem „Verfassungsschutz“ droht…
Also zurück zum Kern im Pudel, ich meine in der Schale: Hier könnte man als Argument natürlich den Vergleich zu Sonnenblumen (Vögel verteilen die) nehmen und sagen: Wildtiere fressen das Fallobst unter dem Aprikosenbaum und es gibt bei der Verdauung die Stratifizierung, also ein Abnehmen der die Keimung hemmenden Schalenschicht durch das Einwirken von Magensäure. Dennoch würde ich dann lieber den Vorgang durch kurzzeitiges Einlegen in Säure simulieren, als die Kerne zu knacken und die enthaltenen Samen zu nehmen, was manche Baumschule so macht (und auch so verkauft, 1€ das Stück oder so – huah dann lieber kiloweise Trockenobst mit Kern kaufen).
Im letzten Jahr so gekaufte, bereits geknackte Aprikosensamen keimten übrigens vergleichsweise schlecht, es gab keine höhere Erfolgsquote als bei den naturbelassenen und allgemein waren die gekeimten Pflanzen nicht besonders kräftig. Von den ca. 20, bei einer Baumschule bestellten Samen keimten gerade mal 2 und die gingen diesen Frühling hopps. Dagegen meine Quote bei den naturbelassenen Kernen aus Trockenobst: Keimrate ca. 30-50% und null Verluste bisher. Klarer Sieger, oder?!

Aprikosen aus Kern ziehen – lohnt es sich oder muss ich veredeln?

Für mich steht fest, dass ich wurzelechte Pflanzen bevorzuge, wann immer das möglich ist. Sollte ich ein Veredeln wählen, dann aus folgenden möglichen Gründen:
1. Es bringt Krankheitsresistenzen, wie klassische bei Wein (Mehltau, Falscher Mehltau).
2. Der Untergrund ist ungeeignet, eine passende Unterlage kommt aber klar.
3. Der Baum würde so schnell wachsen bzw. zu groß werden und nicht jeder hat eine Streuobstwiese. Mittels passender Unterlage kann ich das Größenwachstum modifizieren. Klassiker: M26 für Apfel

Zum Glück sind Aprikosen sehr schnittverträglich und wachsen schnell nach, ich muss hier also nur dann veredeln, wenn der Untergrund für die Edelsorte zu ungeeignet ist. Wildobst hat nun mal naturbedingt „mehr Power“ und kommen auch mit schwierigen Böden gut zurecht.

Für mich ist die Frage, ob sich die Anzucht aus Aprikosenkernen lohnt, bisher nicht restlos geklärt. Vielleicht tragen im kommenden Jahr die ersten Bäumchen ein paar Früchte und ich weiß dann woran ich bin. Von der Vitalität der Pflanzen bin ich beeindruckt, da kommen die gekauften nicht ansatzweise heran.

Es gibt beim Thema „Aprikosen aus Kernen ziehen „noch viel auszuprobieren und zu entdecken. Bitte teilt eure Erfahrungen!

Bezugsquellen für Wildaprikosen – die Kerne enthalten das wertvolle Vitamin B17:
Trockenobst mit Kern, Hunza -> makrobiotik.de
(Keimtest aus Lieferungen Frühling 2014 und 2015 bestanden)
Bittere Wildaprikosenkerne, China -> kopp-verlag.de
(Keimtest aus Lieferung Frühling 2017 bestanden)
Ansonsten schau in die Baumschulen rein,
z.B. Manfred Hans, Christoph Kruchem oder oikostreecrops.com

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