Humus – Die vergessene Klimachance – Trailer und Infos

- zuletzt geändert am 18.Oktober 2015

Fieberhafte Suche nach Lösungen

Was geschieht unter unseren Füßen? Weshalb können Böden so riesige CO2-Mengen ein- und ausatmen? Haben wir bisher den vielleicht wichtigsten Klimafaktor übersehen – das Leben in den Böden? In Amazonien haben deutsche Forscher 2000 Jahre alte, extrem fruchtbare Böden entdeckt. Die „Terra-Preta“-Böden wurden von Indianern geschaffen. Aber wie? Nahe Kairo entstand mitten im Wüstensand bester Humus. Was ist das Geheimnis des Aufsehen erregenden „Sekem“-Projektes? In Frankreich wachsen Bäume und Getreide auf den selben Ackerflächen.

Humus der Film – Trailer


-[gt] Link zum Trailer „Humus – Die vergessene Klimachance“

„ES GEHT UM MILLIONEN TONNEN CO2!
Der Anteil an Huminsäuren beträgt in einem guten Kompost 50 % der organischen Substanz. Komposte mit einem hohen Anteil an organischer Substanz und dem entsprechenden Huminsäureanteil können maßgeblich zur Bindung von CO2 im Boden beitragen. Würde auf allen 14.000 Quadratkilometer Ackerflächen Österreichs ein solcher Kompost aufgebracht, könnte das eine CO2-Bindung von mehr als 10 Millionen Tonnen betragen. Das wäre die Menge, die Österreich laut Kyoto-Protokoll einsparen müßte.

Univ.-Prof. Dr. Peter Lechner, Universität für Bodenkultur, Wien

KLIMAWANDEL IST NIEDERSCHLAGSWANDEL!

Klimawandel bedeutet nicht nur Temperaturwandel, sondern es geht vor allem auch um die Frage der Unterschiede im Niederschlag und um die Niederschlagsverteilung. Ein ganz wichtiger Punkt ist daher das Wasserhaltevermögen der Böden. Huminstoffe, also die besonders aktiven Bestandteile der organischen Bodensubstanz, können das 27fache ihres Gewichtes an Wasser halten. Das zeigt schon, wie wichtig die organische Substanz auch für die Wasserspeicherung in Ökosystemen ist.

Univ.-Prof. Dr. Martin H. Gerzabek Institut für Bodenforschung, Wien

STARKNIEDERSCHLÄGE UND DÜRREPERIODEN
Die Klimaveränderungen werden in Zukunft mehr Starkniederschlagsereignisse mit sich bringen, aber auch gleichzeitig eine größere Anzahl an Dürreperioden. Wie können wir unsere Böden fit machen für diese Situation? Ein Schlüssel ist die Erhöhung des Humusgehaltes. Wir haben in unseren Versuchen nachweisen können, daß dies mit Hilfe von Kompost ohne Beeinträchtigung der Umwelt gelingen kann.

Dr. Wilfried Hartl, Bio Forschung Austria

BÖDEN SIND POTENTE CO2-SPEICHER!
Der Boden speichert etwa doppelt so viel Kohlenstoff als sich insgesamt in der Atmosphäre befindet. Das heißt, er ist im Prinzip ein potenter Kohlenstoffspeicher. Heute ist der Boden aber eine Netto-Kohlenstoffquelle. Das heißt, er produziert oder emittiert mehr Kohlenstoff, als er bindet. Wenn wir organische Abfälle über die Kompostierung verwerten, könnten, hochgerechnet auf ganz Österreich, pro Jahr 200.000 Tonnen CO2 im Boden gespeichert werden.

Dipl.-Ing. Florian Amlinger, Kompostentwicklung und -beratung

WENN AUS ACKERBÖDEN WÜSTE WIRD
Europa- und weltweit nehmen die Humusgehalte in den Böden ab. Im Zuge vorgelagerter Studien für das Bodenschutzprogramm in der Europäischen Union wurde festgestellt, dass europaweit zirka 48 Prozent der Böden bereits weniger als 2 Prozent organischen Kohlenstoff beinhalten. Das ist ein Schwellenwert, ab dem man sich Maßnahmen überlegen muß, um – vor allem im mediterranen Bereich – die Wüstenbildung hintanzuhalten.

Dipl.-Ing. Florian Amlinger, Kompostentwicklung und -beratung

DIE POLITISCHEN ZIELE GREIFEN ZU KURZ!
Wir befinden uns derzeit in einer der wärmsten Perioden seit 1300 Jahren, und die Erwärmung ist zu einem guten Teil von Menschen gemacht. Bis zum Jahr 2100 wird es zu einer Erwärmung zwischen 1,1 bis 6,4 Grad Celsius kommen. Um größere Katastrophen, wie Überflutungen oder Wüstenbildungen zu verhindern, dürfte die Temperatur um maximal 2 Grad Celsius ansteigen. Um einen höheren Temperaturanstieg zu verhindern, müßten wir den CO2-Ausstoß um 50 bis 85 Prozent reduzieren. Dies steht aber in einem scharfen Gegensatz zu den bisher formulierten politischen Zielen, die nur zu einer Reduktion von 20 bis 30 Prozent führen würden.

Dipl.-Ing. Florian Amlinger, Kompostentwicklung und -beratung

DER HUMINSÄURE AUF DER SPUR
Für uns war es eine analytische Herausforderung, Untersuchungsmethoden zu entwickeln oder bereits bestehende Methoden so zu adaptieren, daß Analysen in kürzester Zeit möglich sind, um die Huminsäuren im Kompost – und damit die Kompostqualität – zu bestimmen. Die herkömmliche nasschemische Bestimmung dauerte eine ganze Woche. Nun sind Ergebnisse – vor allem mit Hilfe der Infrarotspektroskopie – innerhalb von wenigen Stunden möglich.

Univ.-Prof. Dr. Peter Lechner, Universität für Bodenkultur, Wien

DIE CHANCE LIEGT IN DER LANDWIRTSCHAFT!
Die Landwirtschaft hat in den letzten 50 Jahren, global gesehen, gleich viel CO2 in die Luft emittiert, wie die fossile Industrie. Deswegen ist es so wichtig, jetzt bei der Landwirtschaft anzusetzen. Sie kann einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem sie bodenaufbauende Maßnahmen betreibt und damit CO2 bindet.

Birgit Birnstingl-Gottinger Arge Kreislaufwirtschaft und Mischkulturen

UNNÖTIGE GESETZESHÜRDEN!
Die gesetzliche Regelung ist zur Zeit ein großes Problem in der Anwendung von Kompost, weil man in dieser Regelung auf den organisch gebundenen Stickstoff keine Rücksicht genommen hat, also hochwertige Komposte nicht von anderen Dügungen unterscheidet. Das heißt, es ist im Gesetz einfach geregelt, wie viel Stickstoff auf eine Fläche kommen darf – das sind in Österreich 175 kg Reinstickstoff auf Ackerkulturen –, egal, in löslicher oder in gebundener Form. Wenn man Humus-Aufbau betreiben will, müßte man wesentlich größere Kompostmengen ausbringen, als zur Zeit wasserrechtlich erlaubt ist

Gerald Dunst, Geschäftsführer Fa. „Sonnenerde“

HUMUSFORMEN FÜR JAHRHUNDERTE
Unser Ziel ist es, möglichst viel vom Kohlenstoff in hochwertige und langfristig stabile Humusformen umzuwandeln die dann auch wirklich im Boden Jahre lang oder Jahrhunderte lang stabil bleiben.

Gerald Dunst, Geschäftsführer Fa. „Sonnenerde“

EINE SIGNIFIKANTE VERBESSERUNG IST MÖGLICH!
Wir untersuchen in Feldexperimenten die Entwicklung von Humusgehalten und von Kohlenstoffgehalten in Böden, und zwar in Abhängigkeit von Standardbedingungen und von Bewirtschaftungsmaßnahmen der Landwirte. Es hat sich nun gezeigt, dass es wirklich möglich ist, über 10 oder 15 Jahre die Kohlenstoffwerte signifikant zu erhöhen und es hat sich darüber hinaus gezeigt, dass das eine ganze Reihe von Vorteilen für den Betrieb bringt, was die allgemeine Bodenfruchtbarkeit angeht, die Ertragsfähigkeit.

Univ.-Prof. Dr. Klaus Hülsbergen Lehrstuhl für ökologischen Landbau, TU München

DIE DAUERVERSUCHEN WAREN ERFOLGREICH
Man kann durchaus davon ausgehen, dass man 50 Jahre, vielleicht sogar 100 Jahre Kohlenstoff und Humus akkumulieren kann, das zeigen viele ältere Dauerversuche. Je weiter der Humusspiegel abgesenkt war, umso größer ist das Potential der Wiederanreicherung.

Univ.-Prof. Dr. Klaus Hülsbergen, Lehrstuhl für ökologischen Landbau, TU München

NEUE LANDNUTZUNGSSYSTEME ENTWICKELN!
Für mich ist klar, dass man die künstliche Trennung zwischen Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau überwinden und völlig neue Landnutzungssysteme entwickeln muss, die in der Lage sind, ein natürliches Gleichgewicht aufzubauen, zum Beispiel Agroforstsysteme oder Thermokultursysteme. Damit wird nicht nur die Leistungsfähigkeit der Böden zunehmen, sondern wir können über den Humusaufbau auch Klimaschutz betreiben, die Artenvielfalt erhalten und die Erträge soweit steigern, dass sich die Menschen weltweit gut und sicher ernähren können.

Josef Braun, Bio-Landwirt

ERTRAGSSTEIGERUNGEN UM 80 PROZENT!
Nullbodenbearbeitung und wird inzwischen seit Anfang der 1990iger Jahre in Südbrasilien und Nordargentinien auf über 20 Millionen Hektar praktiziert – mit zunehmendem Erfolg. Die Erträge sind gestiegen, zwischen 35 und 80 Prozent in den 15 Jahren, und es sind weitere Ertragssteigerungen zu erwarten.

Prof. Dr. Ernst Schrimpff, Ökologe

LANDWIRTSCHAFT UND FORSTWIRTSCHAFT VEREINT
Agroforstsysteme bieten vielfältige Vorteile im Zusammenhang mit der aktuellen Debatte um den Klimawandel. Zum Beispiel eine Schutzwirkung für den Boden – Erosionsschutz und Windschutz. Außerdem akkumulieren Bäume Kohlenstoff, sie nehmen CO2 aus der Luft auf und bauen damit ihre Biomasse. Während Kulturpflanzen maximal zwei Meter tief in den Boden gehen, können Bäume mehrere Meter tief wurzeln und damit eben auch Kohlenstoff in den Boden bringen. Die Wurzelmasse macht ein Viertel bis ein Drittel der gesamten Baumbiomasse aus.

Burkhard Kayser, Berater für nachhaltige Landnutzung

DAS RÄTSEL DER TERRA-PRETA-BÖDEN
Terra-Preta ist ein 2000 Jahre alter Boden, der zuerst in Amazonien gefunden wurde, und der sich dadurch auszeichnet, dass er – in einer Region, wo normalerweise die unfruchtbarsten Böden der ganzen Welt vorkommen – auch heute noch fruchtbar ist. Terra Preta wurde von den präkolumbianischen Indianern erzeugt. Wir und andere Wissenschaftler haben uns mit diesem Phänomen beschäftigt und versucht zu erforschen, wie dieser Boden entstanden ist und welche Eigenschaften er hat.

Prof. Dr. Bruno Glaser Chemiker und Bodenkundler

WELTWEIT VERKARSTEN EINST HOCHWERTIGE BÖDEN

In den USA oder in Asien sind viele früher hochwertige Böden heute praktisch verkarstet, sehr, sehr ertragsschwach, und können nur noch mit einem Haufen von Nährstoffen, die man chemisch beibringt, am Leben erhalten werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir im internationalen Vergleich gute Böden, aber auch wir bekommen Probleme, wie man sehr gut an der Erosion bei großen Gewittern sehen kann.

Urs Hildebrandt, Kompost- und Bodenberater

ABFÄLLE SIND WERTVOLLE ROHSTOFFE
Weltweit fallen sehr große Mengen an Rohorganik an, die wir zwar als Abfälle bezeichnen, die eigentlich aber sehr, sehr wertvolle Rohstoffe sind, um Humus in Böden aufzubauen. Selbst Ernterückstände, Gülle oder andere organischen Substanzen, die heute nur oberflächlich aufgebracht werden oder überhaupt nur auf dem Boden liegen bleiben, könnten zu einem sehr effizienten Humusaufbau im Boden beitragen, wenn sie vorstabilisiert wären, also gezielt behandelt würden. Es wäre dringendst notwendig, alle diese organischen Substanzen, die ja auch alle Kohlenstoffträger sind, zuerst einmal in eine stabile Kohlenstoffform – also in eine Form von hochwertigen Humus – zu bringen, um sie dann im Boden wirklich erhalten zu können.

Angelika Lübke-Hildebrandt, Ökologin“
Quelle: http://www.humus-derfilm.at/interviews.html
Die CD kann über diese Seite bestellt werden:
www.oekoregion-kaindorf.at

weitere Video zum Thema „Humus“:
Youtube

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