Vom Mut zu tadeln und von der Freude zu loben

- zuletzt geändert am 17.Januar 2018
Werder, Landschaft nach Schneefall im Januar

Werder, Landschaft nach Schneefall im Januar (Foto: Anja)

Schnee, endlich Schnee! So sieht ein Winter aus.

Vielleicht ist es dir auch schon aufgefallen: Das meist zitierte kosmische Gesetz ist das der Anziehung oder Resonanz. Es ist meiner Meinung nach nicht das einzige, vielleicht derzeit jedoch bedeutendste kosmische Gesetz für die gegenwärtige Phase dieser Menschheit. Meint es doch: Im Innen wie im Außen, und es sind gerade „gesellschaftliche Zustände“ im Außen, die uns im Inneren bewegen und Prozesse anstoßen.

Das bedeutet für mich, dass ich, um überhaupt eine neue und damit lösungsgeeignete Perspektive auf ein zu lösendes Problem bekomme, eben das Thema loslassen muss, das ich bearbeiten will. Castaneda beschrieb einmal eine Situation, in der man jemanden am besten helfen kann, wenn einem dessen Wohlergehen nicht wirklich wichtig ist. Ich denke, da liegt eine brauchbare Parallele. Denn je befangener man selbst ist, desto mehr fließen (unbewusst) eigene Projektionen mit ein.
Für meinen Verstand ist das recht widersprüchlich, der nur durch Bezug, Vergleich, Beziehung zweier Positionen im Alltagsbewusstsein oder Wachzustand arbeitet. Ergo kann der Wachzustand nicht das richtige Spielfeld für neue Impulse, für kreatives Denken sein. Darum sind (politische) Debatten zwangsläufig auch so ermüdend.

Lösungen kommen über Eingebung, Inspiration, deren Quelle außerhalb des normalen Wachzustands liegt. Es wundert nicht, dass bedeutende Erfinder und Künstler, also Kreative, meist als hoch sensibel galten und gelten. Selten findet man sie in der Masse, selten in Debatten. Zu sensibel ist ihr Innenleben und zu wichtig der „Draht nach oben“, als dass man diesen mit zu viel unruhigem und störendem Unrat überdecken mag.

Doch was hat das mit dem Titel des Beitrags zu tun?

Vom Mut zu tadeln

Das negative Werten über einen selbst und Andere, das Tadeln, entspringt zwar dem Verstand und wird zuvor auf der emotionalen Ebene erschaffen. Es bezieht sich auf erkennbare Eigenschaften und stellt automatisch Bezüge zu einem selbst her. Dabei ist man unweigerlich gefesselt und doch muss manchmal erst einmal das IST genau benannt werden, ich spreche damit von Fakten. Diese stellen einen fundamentalen Teil des Gesamtbilds da. Ein anderer Teil ist die eigene Wahrheit, also interpretierte und emotional gefärbte Fakten, die eigene Version einer Geschichte.
Es erfordert bei mir ziemlichen Mut zu tadeln, da dies immer einen inneren Konflikt hervor ruft. Einmal stärke ich den aktuellen Konflikt in mir ja, statt ihm auszuweichen, denn ich konfrontiere. Weiterhin erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit „eines Gegenschlags“ meines Gegenübers und muss auch eventuell seine „Wahrheit“ schlucken. Dennoch kann ich gerade durch solche Interaktion ein inneres Thema aktivieren und im Aktivsein sogar alte Wunden heilen (*1).

Wenn das durch Interaktion erfahrene Leid intensiv ist, brauche ich weniger Mut als sonst, da der eigene Überlebenswille sich als Energiequelle zuschaltet. Das Ego meint dazu: „böse Leute, zurück schießen!“. Der Verstand will alles genau wissen und mögliche Lösungen innerhalb seiner Möglichkeiten erarbeiten. Das Herz, sofern es überhaupt Zugang zum Geschehen erhält, will vergeben, weil es erkennt, dass der Konflikt ein innerer ist und im Außen lediglich ein (hilfreicher) Auslöser liegt. Das ändert freilich nichts am Schmerz im aktuellen Zustand und schon gar nichts an der Kampfbreitschaft des Egos, das am liebsten verbrannte Erde beim Gegenüber sehen will.

Um Wahrheiten und Fakten gegen zu stellen, braucht man stets mehrere Perspektiven auf ein Geschehen sowie ein konsequenten Trennen von IST (Fakt) und MEINT (Interpretation oder ausgelöste Emotion). Eine Mediation ist hilfreich, kommen die Beteiligten nicht weiter. Dabei führt eine unbeteiligte Partei die Gesprächsrunde mit den Beteiligten, um eine emotionsfreie Sicht auf die Dinge zu gewährleisten, soweit dies menschenmöglich ist.

Nun, gefesselt im Schmerz (tatsächlicher oder der des Egos) ist die eigene Perspektive eingeschränkt, das Stammhirn alarmiert, das höhere Denken nach hinten gedrängt. Psychologisch ist klar, dass man erst einmal „runter kommen muss“. Und dann? Reicht die Verstandesebene für eine Lösung aus? Meiner Erfahrung nach ist das so, wenn das Gegenüber nicht bewusst Grenzen übertrat und damit Schmerz verursachte oder es ihm zumindest nicht gleichgültig wäre. In so einem Fall hilft es auch zu tadeln, also das Handeln des Anderen klar als für einen selbst negativ zu werten. Er nimmt sich dann zurück und man kann darüber reden, ein guter Anfang.

Wie geht es jedoch weiter, wenn das Gegenüber kaltherzig und ohne Probleme Schmerzen zufügt, keine Fehler einsieht und auch noch nach tritt, wenn man schon unten ist? Hier gibt es nur zwei Wege die ich kenne: Durchkämpfen bis der Himmel brennt oder gehen. Ich zog meist letzteres vor, auch weil „Rache noch keinen Piraten reich gemacht hat“ und weil der Kampf einen verändert. „This world is just illusion, trying to change you“ (VNV Nation in „Illusion“).

Fazit: Der Mut zu tadeln bringt mich weiter, wenn frühere Themen aufzuarbeiten / Blockaden aufzulösen sind, Ängste überwunden werden wollen. Er bringt nichts, ist man damit fertig, denn das Warum des Handeln des Gegenüber kann einem egal sein. Es passt eben oder nicht, ganz einfach und wenn nicht, muss einer eben gehen.
Symptome: flaches, schnelles Atmen, Stressgedanken, ernster Gesichtsausdruck, Schultern verkrampft, leicht nach vorn (Brust einengend) vor dem Akt des Tadelns, hinterher entweder weiterhin (leichte) Symptome oder Übergang in Herzenergie, je nach Situation und Fähigkeit.

Von der Freude zu loben

Das ist die eigentliche Therapie für mich, die vom Herzen ausgeht. Sie hat in erster Linie mit mir selbst zu tun und kann auf mich selbst ausgerichtet sein oder auch auf mein Gegenüber. Durch das Loben von bestimmten Eigenschaften oder Taten öffnet sich das weite und heilende Feld der Dankbarkeit und erlöst mich vom Konflikt, von der Identifikation mit dem Ego und von fesselnden Polaritäten.

Fällt mir nichts ein, dass am Gegenüber loben kann, dann lobe ich einfach eben seine „negativen“ Eigenschafte aus einer anderen Perspektive. So kann ich sagen: „Wie stur du bist, finde ich unglaublich!“ oder „Deine Versuche mich zu verärgern, zeugen von einer großen Ausdauer, die man bewundern kann.“ So kann man versuchen Brücken zu schlagen, der Rest ist Übung und nach einer Weile ist das Lob dann sogar tief empfunden, aufrichtig.

Mein Gegenüber kann nun über Herzebene entweder mit in Einklang gehen und Teil der Lösung werden oder aber blockieren und weiterhin Teil des Problems sein. Ich habe schon beides öfter erlebt und im letzteren Fall erlebe ich selbst jedoch Befreiung und erhebe mich über die Notwendigkeit, im Konflikt zu stehen. Im ersten Fall erfahre ich das Wunder, das zwei zuvor durch Angst getrennte Seelen eine neue Beziehung zueinander aufbauen können.

Wäre es schön, könnte ich das immer so gut, dass es den anderen im Herzen erreicht! Wohl ist mir der Zustand des himmlischen Friedens recht vertraut, doch leider auch der des irdischen Konflikts, ist der doch praktisch allgegenwärtig und braucht nur einen gedanklichen Augenschlag um zu dominieren. Wie steinig und lang kann der Weg nach oben dann sein!

Weil das so ist, betone ich ja gern die Wichtigkeit der „kontrollierten Torheit“, die als Reserve im Gepäck stets dabei sein sollte. Mit dieser ist kindlicher Humor als emotionaler Moment leicht einleitbar und macht spontan, beweglich, unberechenbar – perfekt um dunklen Gedanken und Emotionen oder auch einer fremdbestimmen Routine zu entwischen und somit in ein Manöver der Herzenergie überzuleiten.

Fazit: Die Freude zu loben kann einen Konflikt auf einer Ebene angehen, die über den Mut unerreichbar ist, sie kann diesen jedoch nicht ersetzen. Über das Loben erschließe ich die Dankbarkeit und damit sprenge ich Ketten, kann der Fesselung entkommen, fliegen.
Symptome: Tiefes, ruhiges Atmen, schöne Gedanken, Gelöstsein, Lächeln, Schultern locker, leicht nach hinten

Kommst du mit? Schreib ich nachvollziehbar? Lass es mich wissen, wenn dem nicht so ist! Im Dialog bin ich sehr viel sicherer bei Ausführungen, weshalb mir Gesprächsrunden da leichter fallen als Monologe.

*1) In einer Situation fühlte ich mich durch das Verhalten meines Gegenübers sehr provoziert, verletzt, es war einfach dreist und machte alles noch schlimmer, es ging nämlich um einen Vermittlungsversuch nach einem kleinen Streit. Mein Gegenüber teilte also wieder schön aus und ging dann einfach weg, was ich so gar nicht leiden kann. Ich ging diesmal hinterher und teilte doppelt aus, hatte das letzte Wort. Ich folgte da meiner inneren Stimme: „los, hinterher, nicht kneifen, das ist jetzt wichtig!“. Nachdem ich fertig war und siegreich ging, passierte was in mir, ungeahnte Kraft stieg in mir auf und erst nach Stunden merkte ich, dass ein altes Trauma aus meiner Kindheit aktiviert und in Heilung gegangen war. Ich hatte eine sogenannte karmische Blase aus der Vergangenheit aktiviert und durch eine Situation im Heute aufgelöst, da die ausgelöste Emotion die gleiche war, doch mein Handeln diesmal anders. Den in der Blase gefangenen Seelenanteil oder einen Teil meiner Macht zurück geholt.

VNV Nation in „Illusion“

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